Natur


64. Die Natur gab es nicht

Es gibt Philosophen die behaupten, daß es keine Natur gibt. Das ist nicht absurd, sondern die arrogante Verweigerung, sich der Umgangssprache zu bedienen. Diese Philosophen wollen schockieren, und in unsichere Zeiten ist die Behauptung, etwas gäbe es nicht, dafür ein durchaus adequates Mittel.
Sie meinen mit ihren überspitzten Formulierungen dem naiven Volk weit überlegen zu sein. Doch was lehrt uns Wittgenstein?

Wir sind in die Sprache hinein geboren, und die Regelungen, Abgrenzungen, die sie trifft, sind so real wie unser Denken.

Was diese Philosophen bestreiten wollen, ist die Vorstellung, daß wir uns von der Natur unterscheiden.

Wir unterscheiden Hand und Finger. Sie könnten aber behaupten, daß es keine Hand gibt, weil wir nicht mit dem Finger darauf zeigen können.

Was diese Philosophen sagen sollten, ist lediglich: Daß die Vorstellungen, die die Grenze unserer Sprache und unserer Welt sind, nicht mißbraucht werden sollten, für wissentschaftliche Hypothesen.

Solche Hypothesen täuschen darüber hinweg, daß sie Interpretationen sind und sich unserer Vorstellungen bedienen.

Sobald man anfängt, wissenschaftlich zu denken, muss man eine andere Ontologie gelten lassen.

Über die Geschichte können wir nur nostalgisch oder wissenschaftlich nachdenken.

Man könnte also sagen: Die Natur gab es nicht.

Und: Es hat keinen Naturzustand gegeben.

37. Erinnerung

Lass uns niemals vergessen, dass das System artifiziell ist. Nur so können wir es beurteilen – nur so können wir einen Standpunkt einnehmen, der uns erlaubt, es zu verurteilen. Eine Gefahr die ich sehe, ist dass wir uns das System nicht länger als künstlich vorstellen können, eben weil der Unterschied Kultur – Natur ausser Kraft gesetzt wurde (Natur ist nicht länger “das, was wir nicht beeinflussen können” also können wir Kultur nicht länger als dessen Gegensatz “das, was wir beeinflussen können” begreifen). – Eberhardt Naumann

6. Hans Jonas Zitat: Zwecke

Ein Zitat von Hans Jonas, das gleich ins Herz meiner Doktorarbeit trifft:

“Wir haben die erfahrene Freiheit als Ausgangspunkt für eine ontologische Hypothese genommen. Die Steigerung der Mittelbarkeit in der Natur verfolgen. Das ist aber noch keine Zweckhaftigkeit. Eine Richtung in der Natur ist etwas anderes; diese Annahme folgt aus der Entwicklung der Freiheit. Um diese jedoch mit der Naturwissenschaft im Einklang zu bringen, kann dieses Gerichtetsein nichts anderes bedeuten als ein Korrollar bei der Entwicklung. Denn das Subjekt des Zweckes ist hypothetisch.
Was Zwecke angeht kann nicht nachgewiesen werden, dass es die beste Chance für unsere Ontologie ist, die wir haben müssen. Der Unterschied zwischen Ursprung und Gebrauch der Freiheit ist die Konsequenz.”

Die Arbeit mit dem Titel “Freiheit und Verantwortung bei Hans Jonas” habe ich vor einigen Monaten eingereicht – seitdem herrscht Funkstille. Also habe ich noch keine offiziellen Papiere und darf ich dementsprechend auch noch nicht mit einer Doktorfaust auf den Tisch hauen (nicht das es mich im Geringsten stört, es erklärt manchem Leser  wer ich bin).