Übriges


134. Es wird Boateng

Am 12. Juni spielt die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Spiel der “Angst-EM”. Hauptsache, Jérôme Boateng ist in guter Verfassung – dafür haben wir aber den Verfassungsschutz #Gauland

80. Orakel Augstein

Wie klingt die Stimme der Mittelmässigkeit? In seiner Kolumne gibt Jakob Augstein sich von seiner besten Seite. Es geht darum, dass neulich Begriffe wie Gerechtigkeit, Verantwortung und Demokratie ausverkauft wurden. Merkel tut einfach, egal was der Bundestag sagt. Interessant, denke ich mir, und lese den Text. Wir müssen die Begriffe zurückerobern, so steht es geschrieben, denn dann wäre die Welt wieder in Ordnung. Jetzt ist es nur ein Chaos von in einander verstrickter, von Zynismus gelähmter Zünfte, und so wählt Augstein seine Adjektive präzise, wenn er die Eigene verteidigt:

“Wir haben unsere Verantwortung delegiert – und dann ist sie im Dickicht furchtsamer Politiker, gieriger Banker und verständnisvoller Journalisten einfach verschwunden.”

Dass es die konventionellen Medien sind, die den ultimativen Demokratisierungsprozess des freien Informationsflusses jetzt aufhalten, will er nicht wahrhaben. Die Murdocks und Springers dieser Welt sind es, die immer wieder, und immer gekonnter, genau die Nachrichten bringen, die den eigenen finanziellen Interessen zweckdienlich sind, während sie (noch) ein optimiertes Mindestmass an Glaubwürdigkeit schaffen. Über Proteste in “Demokratien”, gegen Monsanto, gegen Keystone XL, gegen Fracking, wird kaum berichtet.

Augstein hält aber einen guten Rat für die Aktivisten, die in den Medien systematisch unterrepräsentiert werden, bereit, zitiert von Ingo Schulze:

“Wir müssen über die Geste und die symbolische Handlung hinaus unseren Willen gewaltlos kundtun, und dies – wenn nötig – auch gegen den Widerstand der demokratisch gewählten Vertreter.”

“Gewaltlos kundtun”: ist das nicht genau was eine symbolische Handlung ausmacht? Und ist es nicht genau das, was Augstein nicht einzusehen vermag, dass auch die lupenreinen Demokratien nicht handlungsfähig sind, wenn es darauf ankommt, die ökologische Katastrophe abzuwenden? Und dass es die “verständnisvollen Journalisten” sind, die sich endlich der Aura des Kapitals entziehen müssten und statt immer wieder eine Selbstanalyse des elitären Zynismus zu bringen, jenen Leuten Aufmerksamkeit schenken sollten, die durchdachte Alternativen haben für eine Permanenz menschlicher Kultur auf einem lebendigen Planeten.

29. 

“Der Mensch ist das Tier, das sich selbst Überraschen kann.” – Gottfried Bubernagel, 1719-1774