Kabarett


127. Nichts kapiert

Habe nun, ach, Philosophie durchaus studiert

Mit Kant und Hegel mein Gehirn fossilisiert

Zu Heideggers Daseynsanalyse fröhlich masturbiert

Und am Ende — weniger als Nichts kapiert

122. Dolländisch

Ich könnte einen Abend füllen mit Dolländischen Redewendungen und linguistischen Köstlichkeiten. Aber dat ist jetzt nicht die Bezweckung. Es waren mal zwei Niederländers und der eine sagte zum anderen “Ich lust auch noch wohl ein Bierchen.” Das ist eine gute Idee, antwortete sein Freund und bestellte zwei Bier beim Oberst. Sie setzten sich an die Tafel und prosteten. “Es ist hier viel zu heiss” sagte Jan. “kannst du nicht ein Rahm offen setzen?”

Ein Deutscher kam bei ihnen sitzen. “Warum sprechen Holländers so rar?” fragte er. Jan hatte keine Idee. Vielleicht weil sie so eine seltsame Sorte sind? Oder weil sie die Kultur der Versäulung hatten? Henk knickte. Ja, das glaube ich auch. Wir sind gewohnweg ein bisschen anders als die Anderen. Hast du je einen Deutschen gesehen der sein Brotschinken mit Messer und Gabel isst? Oder Erdnusskäse und Hagelschlag auf seinen Brotschinken tut? Die niederländische Kultur ist arg besonders.

Henk dachte darüber nach und zu Hause an seinem Büro begann er ein Buch darüber zu schreiben. Sein Dolländisch war mitunter perfekt und er schrieb arg schnell. Er legte aus warum Rembrandt so ein grosser Schilder war und was die Niederländer in dem Versatz gemacht haben um die deutsche Armee gegen zu halten. Aber das war leider nicht gelungen. Henk schrieb fort über Rudi Carell und erzählte lustige Witze über Deutschers die im Zandfort beginnen ein Sandkastell zu bauen umdass sie denken das es nog immer Krieg ist. Er schrieb wie populär Linda de Mol ist und dass sie eine grosse Vorgiebel hat und wie ein Sänger als Herman van Veen in Deutschland durchbrechen konnte mit seinem Lied Ich bin heute so fröhlich mit der kleinen Ente. Henk hatte viel Inspiration und blieb weiter schreiben, bis das Buch klar war.

Jan und Henk sassen wieder in der gleichen Krug und der Deutscher kam binnen. Der war jahrig also gaben Jan und Henk ihm das Buch, das sie speziell für ihn signiert hatten. Der Titel war “Dolländisch für Geforderte”.

85. Burkina und die Frankfurter Schule

Gestern in der FAZ: “Bundesverwaltungsgericht gibt Frankfurter Schule recht”.

Endlich! Die Dialektik der Aufklärung gerichtlich anerkannt. Horkheimer und Adorno rehabilitiert. Die zwangsläufige Umnachtung des Abendlandes, die wir gerade erleben, ist damit theoretisch auf festen Füssen gestellt. Die unbequeme Wahrheit – die manchen Recenzenten der Aufsatzsammlung von 1947 entgangen ist – dass das Projekt der Aufklärung immer dann mehr Düster erzeugt als es verdrängt, wenn es versucht, unsere innere Natur zu entmythologisieren, ist endlich von Seiten der Juristerei bescheinigt. Nicht dass sie es gebraucht hätte, aber immerhin.
Dass Mädchen gezwungen werden können, am koedukativen Schwimmunterricht teilzunehmen, weil der Vollkörperbadeanzug, der Burkina, eben keine Einblicke gewährt, wird allgemein als Sieg einer Integrationspolitik gesehen, die aber das “auf einander zugehen” und der “offene Dialog” um jegliche Spontaneität bringt, indem sie sie verpflichtet.
Nicht nur den gesunden Jungen, die neben dem integrierten Moslimmädchen schwimmen und neugierig auf seine verpackte Brustregion schielen, dichtet man einen absoluten Mangel an Vorstellungsvermögen zu; auch den Bürgern wird die Fähigkeit abgesprochen, ohne staatliche Intervention miteinander klarzukommen. Eifrig wird versucht, Untertanen zu kreieren, die sich jene Form instrumentalisierter Rationalität verschreiben, die ihre gelebten Paradoxen aufzulösen nicht kühl dem Sonntagnachmittag überlassen kann – was sie letztendlich konsequent in die Selbstzerstörung treiben wird.

Mit anderen Worten: Aus Integration wird eine Trockenschwimmübung, und durch den Fleiss der Richter schlägt früher oder später die Aufklärung mal wieder in ihr Gegenteil um. –
Eckhard Krohneimer, überlebender Achtundzecher