Geld


110. Im Wiener Supermarkt

Kunde zahlt eine Flasche O-Saft mit einem 100 Euro-Schein.
Kassiererin: “Da geht das Wechselgeld für eine ganze Woche.”
Nächster Kunde: “Grüß Gott. Ich hab’ leider auch nur einen 50-Euro Schein.”
Kassiererin (mit osteuropäischem Akzent): “Leider? Ich wünsche mir ich hätte einen 50er Schein in der Hand.”
Kunde schmunzelt.
Kassiererin: “Das ist nicht zum Lachen.”
Kunde (während seine Einkäufe gescannt werden):
“Darf man im Supermarkt auch Trinkgeld geben?”
Kassiererin: “Nicht alles auf einmal.”
Kunde wiederholt die Frage wenn er sein Wechselgeld bekommt.
Kassiererin: “Nein, das darf man nicht.”

48. Geld

Ein Zeichen hat seine Deutung erschlagen
bekam die fremde Macht, die in uns waltet
eine Sprache, mit der wir stets uns plagen
weil sie alles gleich und ungleich schaltet

Alles ist Austausch und alles Vergleich
Lob dem Handel und Lob dem Verstand
machtlos heisst arm, und mächtig ist reich
und Wert sei nur als Wechselwert bekannt

Die toten Zeichen werden still geduldet
denn sie sind unfühlbar wie die Nacht –
darin bleibt sich an sich verschuldet

Wir für immer sind der Schuld verpflichtet
verpfändet an der Wurzel dieser Macht
die uns hat zu einer Zahl verdichtet

Cornelius Knoppenbroch (1785-1914)

24. Monetärer Anarchismus

Sich eine Form von Geld vorstellen, die nicht Symbol der abstrakten Allgemeinheit ist, sondern der konkreten Partizipation in einer Gemeinschaft. Diese Gattung der Symbole, wir könnten sie pseudo-hegelisch als nächsten Schritt in der Entwicklung des Geistes auffassen, also als etwas Abstraktes das trotz seiner Abstraktion nicht unendlich reproduzierbar ist. Aber uns muss an Hegel nichts gelegen sein. Mit oder ohne ihn gibt es diese Phantasie. Mit oder ohne ihn schwebt sie uns vor als eine Art uns weit überlegene Kultur, ein Wandelstern zu dem wir unterwegs sind und immer unterwegs bleiben müssen. Oder?