Fundstücke


123. Dolländisch II

Das vorige Mal sassen Jan und Henk in einem Krug und hatten sie ein Buch geschrieben über die gewaltige dolländische Kultur. Und ein Spaß dass sie hatten! Sie hatten einander belobt sich noch einmal zu entmüßigen, und diese Woche ist es so fern. Sie gingen nach innen und gingen an einem freien Tischlein sitzen.
So, sagt Jan, es gibt viel zu besprechen. Welche Unterwerfen willst du behandlen?

Macht mir nichts aus. Henk holte seine Schultern auf. Lassen wir es haben über die Migranten. Ja, das ist arg. Die armen Leute haben es kalt und werden dann auch noch in einander geschlagen und ihre Asylsucherszentren werden in Brand gestochen. Aber es sind da gewohn zu viele. Wir können doch nicht somahr alle Flüchtlinge ins Land lassen? Weil die hart werkenden Bürger selber schon so wenig bekommen. Es ist eine schwere Frage. Niemand hat eine Antwort.

Jan guckt traurig. Und weißt du was es ist? sagt er. Diese Migranten sprechen oft sehr schlecht Dolländisch. Henk ist es mit ihm eins. Wir sollten keine Flüchtlinge mehr akzeptieren, die kein Dolländisch sprechen. Es ist doch nicht zu glauben, dass wir sie in unsere Maßschaffei lassen ohne dass sie Dolländisch sprechen?

121. Brutoinlandsprodukt

Sehen Sie, so wie wir hier sitzen auf dieser Wiese, leisten wir keinen Beitrag für die Wirtschaft. Warum erteilen wir uns nicht gegenseitig Yoga-Unterricht? Wir alle zahlen unseren Nachbarn dafür 1000 Euro. Das Brutoinlandsprodukt wird entsprechend wachsen denn es zählt die Gesamtumsätze aller Teilnehmer – und wir kriegen alle gute Laune.

– Aber das ist bloss ein Taschenspielertrick. Es wird nichts Reales produziert. Dieses Wachstum ist lauter Illusion.

Also gut. Wir sollten alle diese Wiese verlassen und anfangen, für die Waffenindustrie zu schuften. Es wird dann real etwas produziert und wir könnten damit vielleicht sogar das gleiche Wirtschaftswachstum erzielen – und diesmal wird es keine Illusion sein.

110. Im Wiener Supermarkt

Kunde zahlt eine Flasche O-Saft mit einem 100 Euro-Schein.
Kassiererin: “Da geht das Wechselgeld für eine ganze Woche.”
Nächster Kunde: “Grüß Gott. Ich hab’ leider auch nur einen 50-Euro Schein.”
Kassiererin (mit osteuropäischem Akzent): “Leider? Ich wünsche mir ich hätte einen 50er Schein in der Hand.”
Kunde schmunzelt.
Kassiererin: “Das ist nicht zum Lachen.”
Kunde (während seine Einkäufe gescannt werden):
“Darf man im Supermarkt auch Trinkgeld geben?”
Kassiererin: “Nicht alles auf einmal.”
Kunde wiederholt die Frage wenn er sein Wechselgeld bekommt.
Kassiererin: “Nein, das darf man nicht.”

94. Erinnerung

“Lebe nur im Jetzt” sagt der Ratgeber, der gut verkauft, “denn die Vergangenheit und die Zukunft ‘gibt’ es bei Lichte betrachtet gar nicht.”
Wenn es sie aber nicht gäbe, würden wir genauso im Jetzt leben wenn wir es uns einbilden, der kleine Napoleon zu sein während eines Feldzugs, oder der grosse Churchill in 1943, oder irgendein intelligentes Wesen in 2143. Wir würden ohnehin im “Jetzt” leben, komme was wolle: ob wir die Erfahrungen aus der Erinnerung schöpfen, aus der Fantasie oder aus Interaktion mit unserer Umwelt.

87. 

Die wirkliche Besiegelung der Wirtschaftskrise ist nicht, dass es immer schwieriger wird, im Alter den Lebensstandard zu halten, sondern dass Menschen im Alter bewußt verzichten auf den bisherigen Lebensstandard, und entsprechend weniger Geld geliehen, also geschaffen wird. Es sind unsere Finanzinstitute, die Konsumverzicht mit Terrorismus gleichsetzen, und unsere Politiker, die nicht anders können, als jenen Instituten Tribut zu zollen. – Dr. Dr. h.c. Stanley Kubicki, A Financial Odyssey