115. Veganismus

Es leuchtet ein, dass der Begriff “vegetarisch” eine irreführende Bezeichnung ist, denn es geht nicht darum, dass man nur “vegetales” isst, sondern, dass man auf den Konsum von lebendigen und toten Tieren, die wir als solche identifizieren können, gänzlich verzichetet. Ich glaube, es ist etwas gelegen an einer genauen Definition, und je schärfer die Begriffsbestimmung, desto länger haltbar wird sie sein.
Eine bessere Bezeichnung für “vegetarisch” ist “leichenfrei” denn das besagt die vegetarische Ideologie. Das rückt Vegetarismus in die Nähe des Tabus auf Kannibalismus, bloss ausgeweitet auf andere Spezies. Wenn wir diese Linie konsequent weiter verfolgen, landen wir beim Antispeziesmus. “Behandele jede Spezies so, wie du deine eigene behandelst.” Aus diesem Prinzip ergibt sich dann, dass das trinken von Muttermilch, das Einsperren von Mitwesen, die Nutzung von Haar/Pelz, usw. unter bestimmten Umständen erlaubt ist.

Der strikt vegane Absolutismus und das Verbot auf jegliche Tierprodukte ist grotesk in seiner Verkennung des Kreislaufs der Natur. Tierprodukte wie Eierschalen, Wolle, Honig, Fell, Knochen, usw fliessen ohnehin in die Natur zurück, auch wenn wir nicht eingreifen. Die Idee, dass es moralisch falsch sei, es für menschliche Aktivitäten zu verwerten, oder es durch unsere Körper hindurch zu führen, da wir doch Teil des Lebenszyklus sind, ist das Resultat moralischen Perfektionismus. Es ist allerdings leicht nachzuvollziehen, wie diese Idee aufkommt als Reaktion auf die horrenden Umständen in der Massentierhaltung. Das Problem ist, dass sie unbeabsichtigt eine Sonderstellung für die Menschen einräumt als gleichzeitig teil jenes Zyklus, und darüber erhaben. Es wäre auf Dauer nicht einfach, diese Sonderstellung unseren Kindern zu erklären.

Sapere aude: