Gedichte


127. Nichts kapiert

Habe nun, ach, Philosophie durchaus studiert

Mit Kant und Hegel mein Gehirn fossilisiert

Zu Heideggers Daseynsanalyse fröhlich masturbiert

Und am Ende — weniger als Nichts kapiert

107. 

wir sind hier um zu spielen, und zu verlieren
wie auch immer man es betrachten mag
es gibt keinen Pakt, keine Teufelspapiere
nur dieser Depp meint, dass je etwas an ihm lag

106. Der Favorit

Das Fabelwesen, das ich in meinen Gedanken mit mir trug
Ein Polyp mit Schwungrad und auf Stelzen, der singt
Von seiner Vorliebe für Vergewaltigung und Betrug
Und seinen Urlaub gerne auf Müllhalden verbringt.

Er stinkt von Bielefeld bis Paderborn.
Seine Lippe ist schief und es quillt Eiter.
Er haßt die feinen Leute aber sein Zorn
Gilt auch dem Kaufmann und dem Bauarbeiter

Er gehört zu den delikateren Tieren
Mit Schuppen aus Perlmutt, und ein Geschirr
Aus rostigem Eisen, ein Kuckucksjunge

Wer ihn sieht möchte ihn mit Messern kastrieren
Die schärfer sind als eine Menschzunge,
Und das sich nur lässt streicheln von mir.

[Nachgedichtet von Gerrit Komrij, de favoriet. Original auf kb.nl]