150. Die höchste Illusion

… und wir sind uns dessen bewusst, dass die Menschen es Illusion nennen. Aber was sonst heisst: eine Welt für sich kreieren? Es ist nur Einbildung, lediglich eine Illusion. Als ob es eine harte Wirklichkeit giebt, wo diese Illusion eingebettet ist, als ob Atome wie Steine sind, und Gedanken oberflächliche Schwingungen.
Wir sind es den Gedanken verpflichtet, sie zu denken, und wenn sie ‘nur’ als Schwingungen in unserem Hirn existieren. Wir verstehen ihre Macht, ihre entscheidende Rolle. Sie erlauben uns ein Zweck, ein ein Zweck jenes Zwecks, und so weiter bis hin zu einem dünnen Endziel, das gar nicht existieren kann weil es von einer endlosen Zweckmäßigkeitskette jenseits der Zeit steht.
Wir entdecken ein Jenseits, eine höchste Illusion, und feinere Ohren spüren dort auch die Verpflichtung, jene Illusion nicht als plumpe religiöse Vorstellung durch die Hintertür einzuladen und sie als höchste Realität misszuverstehen. Hier steht der feinere Geist quer, hier lächelt er und spürt in diesem Lächeln der kosmische Witz der selbstbewußten Zweckmäßigkeit. Hier wappnet er sich auch gegen das Christentum oder dessen Auswüchse wie die Hegelei.
So überkommt ihm die Stille seines edlen Gedanken, wie seine Zweckmäßigkeit garnicht existieren könnte und Existieren folglich darin besteht, die eigene Unmöglichkeit einzuholen. So überkommt ihm die Geistesruhe: in der Einsicht dass die höchsten Zwecke gar keine sind, sondern regulative Ideen, wie der alte Kant sagt, und sie aufzugeben wie der Nihilismus will, alle ‘niedere’ Zweckmässigkeit leugnet, ja sie eben als niedrig abwertet.

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