58. Nachahmen

Sieh weg, wo eines Künstlers erklartes Ziel es ist, etwas “im Stile von” zu schaffen, denn dieses Etwas wird schon wegen dieser Signatur weit hinter dem Original zurückbleiben. Es parasitiert auf der Autorität des Originals fur eine einfache Anerkennung als Kunst. Nein, nachahmen soll nur dann erlaubt sein, wenn es das stolze Ziel hat, zu verbessern, zu überkommen – und an der Unwahrscheinlichkeit, dass dies tatsächlich gelingt, sollte uns nichts gelegen liegen. So haben die Großen ihr “Material” (ob Faust, Parzival) behandelt, und so sollten wir die “Großen” behandeln, insofern ihre Stimme uns noch anspornt. Wie also lesen wir Goethe, Schiller, Heine, Nietzsche? Durch den kühnen Versuch – und dessen glanzvolles Scheitern – sie in Dichtung zu verbessern.

Sapere aude: